Lieber Vater Staat,
um es gleich zu Beginn deutlich zu sagen: Ich halte dich für den schlechtesten Vater, den man sich nur denken kann.
Doch bevor ich näher darauf eingehe möchte ich dir eine kurze Geschichte erzählen:
Es war einmal eine Familie mit vier Kindern. Der älteste Sohn machte in einer deiner Schulen Abitur, wurde gemustert und für tauglich empfunden. Doch er wollte nicht für sinnlose Kriege und unverständliche Ziele Menschen töten oder selbst getötet werden, sondern statt dessen lieber etwas zum Wohle der Menschheit tun.
So beschloß er, sich auf die Suche nach einer ihm sinnvoll erscheinenden Aufgabe zu machen. Er wurde auch recht schnell fündig und bewarb sich für eine Zivildienststelle, die leider nicht so schnell frei werden würde wie andere 0-8-15-Zivistellen.
In seiner Planung (und Naivität) dachte sich der Sohn, dass es wohl keinen Unterschied machen würde, ob er vor dem Zivildienst oder davor und danach eine -wie du sie nennst- Übergangsphase haben würde und entschloss sich dennoch diese Zeit nicht zu verschwenden, sondern durch Arbeit und einen Auslandsaufenthalt Erfahrungen außerhalb deines weltfremden Schulsystems zu gewinnen.
So machte sich der junge Mann frohen Mutes daran Geld zu verdienen und dir Steuern zu zahlen.
Eines schönen Herbstages bekam die Familie des jungen Mannes unerwartete Post von einem deiner unzähligen Ämter. Darin war die Aufforderung enthalten, der junge Mann möge gefälligst bei einem anderen deiner Ämter vorstellig werden, da sonst der Anspruch auf Unterstützung deinerseits erlösche. Dieser Aufforderung kam der junge Mann auch promt nach und wurde von einem freundlichen jungen Beamten empfangen. Der junge Beamte hörte sich mit großer Aufmerksamkeit die Geschichte des jungen Mannes an und entschied, dass es sich nicht lohnen würde, den in der Anlage des Briefes enthaltenen Bogen auszufüllen, da der junge Mann doch lieber nocheinmal mit dem Amt, das den Brief geschickt hatte sprechen sollte um eine bessere Lösung zu finden.
Also machte sich der junge Mann auf den Weg quer durch die Stadt, um noch rechtzeitig das Amt zu erreichen. Als er schließlich ankam wurde er dort jedoch bei weitem nicht so freundlich empfangen, sondern innerhalb von fünf Minuten abgefertigt wie ein asozialer Arbeitsverweigerer mit der Konsequenz, dass ihm seine Unterstützung deinerseits gestrichen wurde.
Im Klartext.
Mir wurde heute von dir, lieber Staat, das Kindergeld gestrichen, weil ich anstatt zwischen Schule und Zivildienst und Studium jeweils vier Monate (=8Monate) nur einmalig sechs Monate Übergangszeit habe.
Vielleicht verstehst du nicht, warum ich jetzt wütend auf dich bin, deshalb werde ich es dir in ein paar Stichpunkten erklären:
1. Du zwingst mich einen Dienst abzuleisten, der veraltet und lächerlich ist.
WEHRGERECHTIGKEIT EXISTIERT NICHT!
2. Du erkennst nicht an, dass ich jobbe und damit aktiv am Wirtschaftswachstum beteiligt bin, da ich es in zwei Monaten leider nicht über die Grenze von 4400€ Gehalt schaffe, sondern nur kanpp über 2000€.
DIE STEUERN DIE ICH DAFÜR ZAHLE WERDE ICH MIR KOMPLETT ZURÜCKHOLEN!
3. Weil ich anstatt mich auf die faule Haut zu legen und mich bis zum 25. Lebensjahr arbeitslos zu melden, mich aktiv um meine Zukunft kümmere und dir meine Planung (wegen zwei Monaten) nicht passt streichst du mir das Kindergeld (was übrigens bedeutet, dass nicht das erste, sondern das vierte Kind unserer Familie gestrichen wird).
4. Von deinen frustrierten Helfern werde ich wie ein Dieb, Betrüger, Versager und Verweigerer behandelt, da ich ein von dir vorgegebenes Schema sprenge und es wage über den Tellerrand hinaus zu gehen.
UND DU WUNDERST DICH NOCH ÜBER DIE ABWANDERUNG JUNGER FACHKRÄFTE?!? WENN DU NICHTS FÜR UNS TUST GIBT ES AUCH KEINEN GRUND HIER ZU BLEIBEN!
Doch ich muss mich auch bei dir bedanken:
Erstens, weil ich deine mießen Schulen besuchen durfte (in denen ich mich, blöd wie ich bin, auch noch aktiv engagiert habe), vor allem aber
Zweitens, da mir nun endgültig klar geworden ist, was ich werden möchte.
Ich werde eine dieser Heuschrecken, vor denen du dich so fürchtest. Ich werde dich mit deinen eigenen Gesetzen auseinander nehmen, dass dir Hören und Sehen vergehen wird. Während du jammerst ob deiner Ohnmacht werde ich deine lukrativsten Firmen ins Ausland verlagern und Arbeitslosigkeit und Armut zurücklassen. Nur um danach Hilfsorganisationen zu gründen, die den Menschen, die bereit sind etwas zu tun Unterstützung zu geben und dir so deine begehrtesten Untertanen abzunehmen.
Anschließend werde ich Fonds gründen, die junge, intelligente Menschen fördern und dazu ermutigen ins Ausland abzuwandern.
Ich werde deine Gesetze und meine Rechte besser kennen, als du sie jemals gekannt hast und dich durch sie ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.
Doch bis es soweit ist werde ich mir jede zustehende Finanzhilfe holen und dir sowenig wie nur irgend möglich meines Engagements zur Verfügung stellen.
Ich werde dich benutzen, um dich und deine Bürokratie zu zerlegen und Scheibenweise zu verkaufen.
Es tut mir aufrichtig Leid, dich bei meinen vielfältigen Auslandsaufenthalten als tollen Staat mit fairem System dargestellt zu haben und nie gegen dich demonstriert oder randaliert zu haben.
Verzeih mir, dass ich mich vielfältig eheramtlich engagiert habe und daran glaubte, dass Familien hier eine faire Chance haben.
Ich werde versuchen, dich nicht mehr zu lange zu belästigen, sondern so schnell wie möglich auszuwandern.
Mit freundlichen Grüßen,
eines deiner enttäuschten Kinder
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